Mit der der Schwangerschaft trafen MMBC-Member Josi Tischer antiquierte Rollenbilder und -Erwartungen anderer wie ein Schlag ins bis dato selbstbewusste Gesicht. Die Überraschung darüber, dass Josis Vorgehen (z. B. nach der Elternzeit wieder in Vollzeit zu arbeiten, die Care-Arbeit im 50/50-Modell mit ihrem Mann zu teilen und eine gleichberechtigte Partnerschaft und Elternschaft zu leben) für viele Menschen etwas „ungewöhnliches“ darstellte, brachte Josi dazu Vereinbarkeit zu ihrer Mission zu machen. Als systemischer Personal und Business Coach sowie angehende Vereinbarkeits Manager/in (IHK) unterstützt sie heute Einzelpersonen, Paare, Familien und Unternehmen dabei individuelle Vereinbarkeitslösungen zu entwickeln und für sich zu nutzen, frei von vorgegebenen Rollenverteilungen und Erwartungen. Im Gespräch mit Mama Meeting Redakteurin Bianca Dukart erklärt sie wie sie dabei vorgeht und Vereinbarkeit für sich selbst lebt.

MMBC-Member, systemischer Personal & Business Coach Josi Tischer

Als systemische Personal & Business Coachin bietest Du u.a. Coachings für Mütter und Paare an mit dem Schwerpunkt Vereinbarkeit, Berufliche Erfüllung und Selbstfürsorge. Kannst Du uns mehr zu Deinen Coachingformaten erzählen?

In meinen Coachings unterstütze ich vor allem Mütter, aber auch Paare dabei, ihren Alltag im Spagat zwischen Familie, Beruf und Selbstfürsorge zu bewältigen. Hierbei sind die Themen so individuell wie jede Familie selbst. Die Klassiker sind aber definitiv die Organisation des Familienlebens, Kind und Karriere unter einen Hut zu bekommen, sich als Mama nicht selbst zu vergessen und gemeinsame Zeit als Paar zu finden.
Ich begleite meine Klient:innen 1:1 bzw. Paare 1:2 und erarbeite mit ihnen in unseren Sitzungen passende Lösungen zu ihren Anliegen.
Im Coaching verwenden wir viel Zeit darauf auf das jeweilige Anliegen und die daraus entstehenden Ziele einzugehen, um sicher zu stellen, dass wir einen genauen und klaren Auftrag haben, mit dem wir arbeiten können.
Um das Anliegen zu bearbeiten stehen uns dann ganz viele verschiedenen Tools aus meinem prall gefüllten Methodenkoffer zur Verfügung, die bei dem individuellen Thema unterstützen.
Um die Erkenntnisse aus den Übungen festzuhalten, werfen wir auch einen Blick auf die weiteren Handlungsschritte und schauen, wie die Klient:innen sicherstellen können, dass sie das, was sie sich vornehmen auch wirklich umsetzen.

Mit welchem eigenen Hintergrund bist Du als Coaching gestartet? Wie kam die Entscheidung für diesen Karriereweg? Welche Erfahrungen aus Deinem Arbeitsalltag haben Dich letztendlich geprägt oder waren sogar ausschlaggebend für Deine Coachingformate?

Zum Coaching bin ich durch meine eigenen Erfahrungen als Mama gekommen. Als ich Mutter wurde, wurde mir schlagartig klar, dass ich doch nicht so gleichberechtigt bin, wie ich bis dahin dachte. Mir wurde bewusst, wie sehr die Gesellschaft das Rollenbild der perfekten Mutter vorgibt und ich wusste schnell, dass ich das weder erfüllen möchte, noch kann. Dadurch habe ich mich in Babykursen und Krabbelgruppen oft als Außenseiterin gefühlt und bekam doofe Kommentare von außen, wenn ich erzählt habe, dass ich nach der Elternzeit wieder in Vollzeit arbeiten möchte oder mein Mann sich im gleichen Ausmaß um unsere Tochter kümmert wie ich. Während meiner zweiten Elternzeit habe ich mich dann extrem viel mit dem Thema persönliche Weiterentwicklung auseinandergesetzt und selbst ein Coaching gemacht. Dabei entstand dann der Wunsch, andere Mütter zu unterstützen, die Herausforderungen, die die Mutterrolle mit sich bringt, zu meistern. Also habe ich nach der Elternzeit eine Ausbildung zur Personal & Business Coachin absolviert. Meine Coachingformate habe ich somit mithilfe meiner eigenen Erfahrungen entwickelt, aber auch ganz viel Input und Inspiration aus Gesprächen mit anderen Müttern und Familien einfließen lassen.

Ab März bildest Du Dich außerdem weiter zur Vereinbarkeits Manager/in (IHK). Wie hast Du vor Coaching, Beratung und Vereinbarkeitsmanagement zusammen zu nutzen?

Auf die Weiterbildung zur Vereinbarkeitsmanagerin im März freue ich mich schon sehr. Da ich der Überzeugung bin, dass Vereinbarkeit nicht nur Privatsache ist, sondern auch in unserer Gesellschaft überall ankommen muss, unterstütze ich Unternehmen dabei, Vereinbarkeitskonzepte zu erarbeiten und implementieren, um als attraktiver Arbeitgeber keine Ressourcen und Kompetenzen durch starre und veraltete Strukturen zu verschenken. Durch den Lehrgang kann ich mein Know How in diesem Bereich erweitern, neue Kontakte knüpfen und Konzepte erarbeiten, die ich dann in der Praxis umsetze.

Auf Deiner Homepage und in einem Interview sprichst Du vom 50:50-Modell in Deinem Familienleben. Kannst Du uns dazu mehr erzählen? Gibt es hierzu einen Rat, den Du anderen (angehenden) Eltern geben möchtest?

Mein Mann und ich leben im 50:50 Modell. Das bedeutet, dass wir uns alle anfallenden Aufgaben rund ums Familienleben gleichermaßen aufteilen. Hierzu gehören Carearbeit, Hausarbeit und Erwerbsarbeit. Wir berücksichtigen bei unserer Aufteilung unsere persönlichen Vorlieben und Stärken und haben so ein System für uns als Familie entwickelt, dass effizient und zeitsparend funktioniert. Dieses System ist aber nicht starr, sondern verändert sich immer wieder durch äußere Einflüsse und verschiedene Lebensabschnitte.
Anderen Eltern möchte ich den Tipp geben, dass sie sich frühzeitig (am besten schon während der Schwangerschaft) damit auseinandersetzen, wie sie Familie leben wollen. Dazu gehören Dinge wie: „Wer möchte in welchem Umfang arbeiten?“ „Wie aktiv will sich jeder in die Pflege des Babys einbringen?“ oder „Wer nimmt wie lange Elternzeit und wie soll das Kind betreut werden, wenn beide wieder arbeiten gehen?“
Es ist wichtig, dies frühzeitig zu besprechen, denn sobald das Baby da ist, steht die Welt erstmal Kopf und alles muss sich neu sortieren. Wenn man sich da vorher nicht über seine Wünsche und Bedürfnisse ausgetauscht hat, rutscht man schnell in eine klassische Rollenverteilung.

Warum siehst Du gerade die Arbeit mit Paaren als sinnvolles Format? Welche Vorteile bringt das mit sich und welche Herausforderungen?

Die Arbeit mit Paaren ist für mich beim Thema Vereinbarkeit von Familie und Beruf deshalb so wichtig, weil Vereinbarkeit aus meiner Sicht kein Thema ist, das nur Mütter betrifft, sondern eben beide Elternteile. Als Team lässt sich ein Familienmodell erarbeiten, indem die Bedürfnisse aller Beteiligten ernst genommen und berücksichtigt werden.
Die Vorteile hierbei liegen für mich klar auf der Hand: beide haben die Möglichkeit, sowohl beruflich als auch im Familienleben erfüllt zu sein und für beides ausreichend Zeit zu haben, die finanzielle Last verteilt sich auf zwei Personen, sodass der Druck sinkt und auch Haus- und Carearbeit werden aufgeteilt, sodass genug Raum für eigene Hobbys und Interessen bleibt.
Die Herausforderung bei der Arbeit mit Paaren liegt darin, dass teilweise verschiedene Bedürfnisse aufeinandertreffen, bei denen es im ersten Moment so scheint, als seien sie nicht miteinander vereinbar. Im Coaching gilt es dann, gemeinsam eine Lösung zu erarbeiten, die für beide Parteien funktioniert und sich in den Familienalltag integrieren lässt.

Vielen Dank für das spannende Gespräch. Wer mehr zu Josi Tischer erfahren und mit ihr in Kontakt treten möchte, findet sie im Mama Meeting Business Club und natürlich über ihre Webseite.

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