In der Browser-History des Firmenaccounts sah ich, dass du an dem Tag an dem ich dir sagte, dass ich ein Kind erwarte, direkt nach dem Gespräch „Schwangere kündigen“ gegoogelt hast. Du hast das Konzept, das ich Dir vor meinem Mutterschutz vorlegte kritisiert und es, kaum war ich in Elternzeit, als Deines ausgegeben. Weißt du noch, wie du hinter meinem Rücken zu meinen Kollegen sagtest: „Seit sie schwanger ist, gibt sie sich gar keine Mühe mehr.“ Ein andermal hieß es nur: „Die ist ja jetzt in anderen Umständen. Da werden die buchstäblich umständlich.“ Der unlustigste Witz, den ich je gehört habe.

Du hast meine Stelle einer anderen angeboten, noch während du den Kuchen aßt, den ich für meinen Abschied in den Mutterschutz mitgebracht hatte. Oh und damals, als ich dir sagte, wie lange ich in Elternzeit gehe, rietst du mir: „Frag lieber nochmal deinen Mann. Das ist ja ein finanzielles Thema.“ Erinnerst du dich daran noch? Daran aber sicher: Am Tag nachdem ich Dir mitgeteilt habe, dass ich schwanger bin, bekam ich einen neuen Schreibtisch zugeteilt und meinen Rechner abgenommen. Ich sollte jetzt lieber erstmal alte Akten sortieren. Das sei nicht so stressig, besser für mich und das heranwachsende Baby. Als ich mich während meiner Elternzeit mit meinen KollegInnen traf, waren die ganz verwirrt, weil Du ihnen schon erzählt hattest, ich käme nicht zurück und plante noch weitere Kinder. Kinder, von denen ich als Mutter noch gar nichts wusste.

Im Rückkehrgespräch legtest du mir Nahe mich auf einen Aufhebungsvertrag einzulassen, weil es den Kolleginnen gegenüber fairer wäre, die jetzt ein Jahr meine Arbeit für mich übernommen hätten. Obwohl alle KollegInnen meines Bereichs nach meiner Elternzeit im Home Office arbeiteten, schriebst du mir, kurz vor der Rückkehr, dass Home Office für meinen Schreibtisch-Job nicht anwendbar sei, wohl wissend um meine lange Pendelstrecke ins Büro und die Zeit, die mir so weniger für meine Familie blieb.

Du schriebst in deine Einschätzung meiner Firmenidee, die ich nutzen wollte um InvestorInnen zu überzeugen: „Lebt mit ihrer Familie und ihrem Mann zusammen. Der Mann unterstützt, das Vorhaben.“ Meine Abschlüsse, Titel, beruflichen Stationen und Qualifikationen blieben unerwähnt.

Wäre ich nur eine einzige Frau, die nur eine einzige dieser Geschichten erlebt hat, würde ich denken: Das ist ein Einzelfall. Das passierte nur mir. Ich geriet an das eine schwarze Schaf. Für eine Weile würde ich sogar denken: Es liegt an mir. Es ist ja nicht so schlimm. Doch dies ist nicht nur eine Geschichte, nicht nur eine Mutter. Und wir werden dazu nicht mehr schweigen. Keine einzige mehr!

 

 

#keineeinzigemehr

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Gerne würden wir schreiben: “Das war’s. Es hat sich niemand gemeldet.” Doch schon vorher merkten wir an den Fällen, die wir oben gesammelt hatten: Das ist kein Einzelfall. Darum geht’s hier nun weiter:

Als ich bekannt gab, dass ich schwanger war, fragtest Du mich, ob ich dieses „schwachsinnige Beschäftigungsverbot“, dass in meinem Bereich gesetzlich vorgeschrieben ist zum Schutz von Schwangeren und Ungeboren, wirklich durchziehen wollte. Du wolltest, dass ich meine Arbeitsgeräte, die ich selbst gekauft hatte, kostenlos an eine Kollegin weitergebe. Bräuchte ich ja jetzt nicht mehr. Nie wieder, dachtest Du offensichtlich.

Nach einer Beförderung wurde ich schwanger. Welch ein Kapitalverbrechen, merkte ich. Denn zu Meetings hast Du mich nicht mehr eingeladen, meinen Kollegen sogar gemeldet, ich sei nicht mehr Teil des Teams.

Meine Überstunden in der Schwangerschaft, belohntest Du damit, dass ich die einzige war, die in diesem Jahr keinen Bonus erhielt. Hättest du gewusst, dass ich schwanger werden würde, hättest Du mich nie eingestellt, sagtest Du mir, als ich meine Schwangerschaft bekannt gab.

Du als Personaler, rietst mir zum Wiedereinstieg: „Machen wir es kurz, Sie haben nun ein Kind, sind schon daher unflexibel und jeder Arbeitgeber wartet nun nur darauf, dass Sie das zweite kriegen…suchen Sie sich eine lockere schnucklige Halbtagsstelle und gut ist.“ Wenn ich zur zweiten Schicht ins Home Office ging, verabschiedetest Du mich mit den Worten: „Schönen Feierabend – Schlaf schön!“ Wenn immer ich mal pünktlich aus dem Job wollte, kamst Du mit einer neuen Frage oder Aufgabe, stets verknüpft mit dem Nebensatz: „Es wäre schon besser, Sie würden noch bleiben.“ Als erste Frage zu meiner Rückkehr fragtest Du mich nach meiner Reisebereitschaft. Auf den Projekten, auf denen Du mich jetzt einsetzen wolltest, würden ja viele Reisen anfallen. In den Jahren vor meiner Schwangerschaft gab es in meinem Bereich NIE Dienstreisen. Und einige Wochen nach dem Gespräch erfuhr ich, dass auch meine KollegInnen ausschließlich im Büro waren. Einarbeitung nach meiner Rückkehr? Nicht nötig, fandest Du.

Zurück auf meinen alten Job? Für „Teilzeit-Muttis“ gäbe es keine Positionen mit Verantwortung, erklärtest Du mir. Statt einer Einarbeitung in meine neuen Aufgabenbereiche, gabst Du mir kurz nach meiner Rückkehr die Kündigung.

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