Astronautin steht in Insa Thiele-Eich’s Lebenslauf und davor: Elternzeit. Die promovierte Meteorologin, trainiert in der Initiative “Die Astronautin” dafür im Jahr 2020 ins All zu fliegen. Parallel zum Training für die Forschungsmission auf der ISS, arbeitet sie als wissenschaftliche Koordinatorin eines Sonderforschungsbereiches an der Universität Bonn, ist gerade zum dritten Mal Mutter geworden und veröffentlichte quasi parallel dazu ihr Buch “Astronauten – Eine Familiengeschichte”. Mama Meeting verriet sie, wie ihr Leben als Working Mom aussieht.

 

MM: Wusstest Du, dass wenn man Dich googelt, vorgeschlagen wird:

Insa Thiele-Eich … Schwanger

Insa Thiele-Eich … Kinder

Insa Thiele-Eich … Töchter? Wie findest Du das so?

 

Insa Thiele-Eich:Astronautin kommt erst an 8. Stelle!  Ich stehe scheinbar also nicht im Fokus, weil ich ins Weltall fliegen will, sondern weil ich Mutter bin. Mein Vater ist ebenfalls Astronaut und wird selten gefragt ob er Kinder hat. Aber ich nehme es meist mit Humor. Vor allem, weil das Suchwort “schwanger” schon 2017 in der Autovervollständigung erschien, als das dritte Kind noch nicht mal gedanklich unterwegs war.

 

MM: Du bist “Die” Astronautin, ausgewählt aus 400 Bewerberinnen. Wie kam es dazu?

Insa Thiele-Eich: Als Kind schrieb ich in Freundschafts- und Poesie-Alben, diese mit dem Steckbrief, die Berufswünsche: Mutter, dann später Lehrerin, irgendwann Schriftstellerin. Als  mein Vater anfing als Astronaut zu trainieren, sprang seine Begeisterung auf mich über und so wusste ich mit etwa 16 Jahren, dass ich eines Tages ins All fliegen wollte. Doch leider ist das gar nicht einfach. Die Ausschreibung der ESA, bei der die Astronauten für die nächsten Missionen gesucht werden, finden nur circa alle 17 Jahre statt. Mein Vater gab mir damals den Rat: ‘Du kannst nicht direkt auf dein Ziel hinarbeiten. Finde etwas anderes, dass Du gerne machst und halte Dich dafür bereit, wenn der richtige Moment kommt, zuzugreifen.’ 2007 war dann ein ESA-Auswahlverfahren, aber ich hatte noch bei weitem nicht genug Berufserfahrung um überhaupt in den Auswahlprozess zu kommen. Bis zur nächsten Ausschreibung wäre ich vermutlich zu alt. Doch quasi zum perfekten Zeitpunkt gründete Claudia Kessler die Initiative die “Astronautin”. Viele andere Nationen haben bereits weibliche Astronautinnen und in Deutschland fehlte diese Vorbildfunktion bisher. Ich glaube ich habe den Link zum Spiegel-Artikel dazu zeitgleich von meinem Mann und meiner Mutter zugemailt bekommen. Das Bewerbungsverfahren war dem der ESA sehr ähnlich und ich habe nicht immer daran geglaubt dass ich es in die nächste Runde schaffe- es gab einige Momente, bei denen ich dachte: ‘Jetzt bist Du raus.’ Aber schließlich wurde ich doch ausgewählt und mache jetzt mit meiner Kollegin Suzanna Randall die Ausbildung zur Astronautin.

 

MM: Du bist gerade zum 3. Mal Mama geworden. Wie funktioniert Familienplanung, wenn man nicht weiß, wann die Chance ins All zu fliegen kommt?

Insa Thiele-Eich: Viele Leute sagen mir: Du bist so mutig, weil du ins All fliegen willst. Ich selbst finde aber, dass einzig Mutige war, während ich auf diesen Traum hingearbeitet habe, auch meine Familienplanung weiterzuverfolgen. Für meinen Mann und mich war immer klar, dass wir gerne mehr als zwei Kinder wollten. Allerdings geht man ja nicht zur Chefin und fragt um Erlaubnis, im Training noch eine Schwangerschaft unterzubringen. Ich war mir zwar relativ sicher, dass eine Schwangerschaft nicht das Aus bedeutet hätte, aber man weiß ja nie. Schließlich haben wir gemerkt: wir würden es in 20 Jahre bereuen, kein drittes Kind bekommen zu haben, aber ich hätte es verkraftet, wenn mein Traum vom Flug ins All nicht geklappt hätte. Jetzt ist unser drittes Kind vier Monate alt, und – wie das rückblickend oft so ist – der Zeitpunkt hätte nicht besser sein können. Während der Schwangerschaft wurde der Trainingsplan ein wenig angepasst, da ich den Tauchschein schwanger nicht machen durfte. Das hole ich jetzt nach – das Training habe ich nach 8 Wochen Mutterschutz wieder aufgenommen, auch an der Uni arbeite ich wieder. Mein Sohn ist oft bei der Arbeit dabei, schläft im Tragetuch oder spielt auf einer Decke. Und wenn er gestillt werden muss, dann wird er eben erstmal gestillt und etwas anderes wird später gemacht. Auch wenn mein Mann in Elternzeit ist, erfordert das natürlich viel Planung und Flexibilität, und es ist definitiv anstrengend. Aber ich bin total glücklich darüber, dass sich Astronautentraining und Familienplanung nicht ausschließen.

 

MM: Wie sieht die “ideale” Arbeitswelt für Dich aus? Kannst du aktuell so leben?

Insa Thiele-Eich: Ein bisschen weniger arbeite wäre gerade vielleicht schön, aber eigentlich lebe ich gerade in der für mich idealen Arbeitswelt. Ich arbeite mit einer 70%-Prozent-Stelle an der Universität Bonn, dazu kommen die 50 % als Astronautin. Das ist vom Pensum mit einem kleinen Baby, auch mit den Stillpausen und dem Schlafmangel, schon hart an der Grenze. Aber mein Mann ist ja in Elternzeit so dass ich im Haushalt wenig übernehmen muss und auch mal ausschlafen kann. An der Uni leite ich meine Projekte eigenverantwortlich, kann also größtenteils selbst entscheiden wann, wo und wieviel ich arbeite. Diese Flexibilität ist mir ganz, ganz wichtig, und gehört für mich unbedingt zur idealen Arbeitswelt. Nur so kann ich auch auf die Bedürfnisse der Kinder reagieren und zum Beispiel mal schon mittags die Kinder abholen. Die Arbeit hole ich dann Nachts oder am Wochenende nach. Auch wichtig: meine Arbeitgeber haben zum Glück beide kein Problem mit Home Office, und so kann ich mein Pensum gut schaffen und trotzdem noch als Mama präsent sein. Leider erlebe ich oft im Umfeld, dass der Ruf von Home Office nicht der Beste ist – das verstehe ich nur bedingt. Im Idealfall arbeiten Mitarbeiter ja motiviert und gerne, auch zu Hause. Auch die Kommunikation untereinander klappt gut, wenn man klar kommuniziert wann man erreichbar ist und sich dann auch verbindlich daran hält.

 

MM: Verrätst Du uns noch Deine drei Tipps für alle Working Moms?

Insa Thiele-Eich:

  1. Ganz klar für sich selbst definieren, wann man arbeitet und wann nicht. Sonst hat man in der Freizeit ständig das Gefühl: eigentlich müsste ich jetzt noch dies und jenes tun. Das führt schnell zu einer Zerissenheit. Ich plane meist Sonntags für eine Woche im Voraus klare Arbeitszeiten, und kann dann auch entspannt am Dienstag nachmittag auf dem Spielplatz sitzen wenn ich weiß, am Samstag arbeite ich dafür 4 Stunden mehr.
  2. Etabliert bei Home Office mit Euren Kolleg*innen eine gute Kommunikation, und fragt rechtzeitig nach, ob ihnen die Häufigkeit des Kontakts ausreicht oder sie sich mehr wünschen. Das am besten frühzeitig und regelmäßig, bevor es zu Konflikten kommt.
  3. Stichwort: Selbstfürsorge! Machen wir uns nichts vor, arbeiten und Kinder haben ist einfach anstrengend. Meistens ignoriert man als Mutter vor allem die eigenen Bedürfnisse. Beispiel? Während die Große ein halbes Brunchbuffet in der Brotbox hat, ernähre ich mich dann im Büro von Studentenfutter und den Schokoladenvorräten der Kollegen. Vorbeugend kochen wir deshalb oft am Wochenende vor und frieren einzelne Portionen für mich ein. Dann kann ich abends auch mal schnell etwas Warmes essen und nicht nur die Käsebrot-Ränder der Kinder.

 

MM: Die Zeit ist zu kurz für noch mehr Fragen. Aber du hast ein Buch geschrieben, was erfahre wir da noch? Warum sollte das jede Working mom lesen?

Insa Thiele-Eich: Das Buch habe ich gemeinsam mit meinem Vater und einer weiteren Co-Autorin geschrieben. Es geht dabei nicht nur um Astronauten und Raumfahrt, sondern auch um unseren Familienalltag. Mir fällt es nicht immer leicht, working mom zu sein – aber auch mein Vater erzählt von seinen Sorgen als astronautischer Familienvater. Neben hoffentlich spannenden Einblicken in die Welt der Raumfahrt zeigen wir, dass auch Astronaut*innen mit Kindern keine Superhelden sind, und wir alle hier auf der Erde doch ziemlich ähnliche Probleme haben. Ich würde mich freuen, wenn Leserinnen daraus Kraft ziehen können, und wir mit unserer Geschichte working moms (und natürlich auch dads) Mut machen.

 


Liebe Insa, wir sagen: 1000 Dank für das spannende und super nette Gespräch. Wir finden es großartig, wie du als working Mom deine Weltraum Mission verfolgst und werden deine nächsten Schritte auf jeden Fall mitverfolgen. Wer auch Lust hat von Insa auf dem Laufenden gehalten zu werden:

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Und den Link zum Buch findet ihr hier:

 

 

 

 

 

 

 

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