Selbstständigkeit während der Elternzeit – Träume und Kinder können nicht warten

Ellen Andresen ist 31 Jahre alt und dreifach Mutter. Während der Elternzeit machte die Journalistin den Schritt in die Selbständigkeit und erfüllte sich damit einen Herzenstraum. In ihrem Online-Shop “Sausebrause – Ein kleines Königreich voller Konfetti” verkauft sie stilvolle Dinge für’s Kinderzimmer. Uns erzählt sie welche Superkräfte man dafür braucht.

 

Bild: Kira Nießing

MM: Für wen ist Sausebrause?

Ellen: Sausebrause ist für alle Mamis und bald Mamis, die stilvolle Kinderzimmer einrichten wollen und Zubehör für tolle Partys, z.B. Babyshower oder Kindergeburtstage suchen. Ich möchte weg von Kinderzimmereinrichtungen in Bärchen-Schick und Bordüren-Overkill. Stattdessen zeige ich mit den Möbeln, Spielsachen und Accessoires, die ich bei Sausebrause anbiete, wie man ein Kinderzimmer in schlichtem, aber stimmigen Design einrichten kann. Diese Dinge passen dann nicht nur gut ins Kinderzimmer, sondern sind genauso im Wohnzimmer harmonisch und hübsch, ein Beispiel ist eine Krabbeldecke im Blattdesign und Monofarbe. So etwas muss nicht teuer sein, aber Qualität ist bei allem, womit Kinder in Kontakt kommen wichtig. Der Sausebrause-Stil findet sich darum zum Beispiel in vielen Skandinavischen Marken wieder, die wir anbieten sowie Marken, die auf Handmade setzen.

 

MM: Wann hast du dich entschieden Sausebrause zu eröffnen?

Ellen: Kinderzimmer einzurichten bzw. stilvolles Interieur für Kinderzimmer zu finden, war schon lange mein riesengroßes Hobby. Schon bevor ich Mutter wurde, habe ich die Kinderzimmer von Freundinnen genutzt, um diese Leidenschaft auszuleben und wurde oft gefragt, warum ich nicht Innenarchitektin geworden bin. Stattdessen war ich, auch mit viel Spaß an der Arbeit, Redakteurin für ein Frauenmagazin in München. Als ich mit meinem zweiten Kind, meiner Tochter Amelie, schwanger war, das war nun vor drei Jahren, habe ich angefangen meinHobby zu professionalisieren. Unter dem Label “Traumschmiede” habe ich angefangen meine Beratung zum Thema Kinderzimmereinrichten auch über meinen Freundeskreis hinaus anzubieten. Damit ging einher, dass ich mich ernsthaft hinterfragte, wer ich bin, was ich will und wo ich hin will. Weil mir das Schreiben als Journalistin einfach lag, erschuf ich unter dem Titel “Tante Elly” einen Online Schwangerschaftskurs. Das ganze wurde nicht so erfolgreich, wie ich es mir gewünscht hatte. Aber ich stellte fest, dass auch hier das Thema, MEIN Thema, Kinderzimmereinrichten immer wieder auftauchte. Die Idee zu Sausebause kribbelte mir wohl schon länger als mir bewusst war in den Fingern, aber nun war ich bereit diesen Schritt zu wagen. Am 1. Juli 2017 ging dann der Shop online.

 

MM: War dieser Schritt in der Elternzeit für dich dann eine große Kehrtwende, was deine Karriere anging?

Bild: Kira Nießing

Ellen: Ich profitierte von meinen Erfahrungen als Journalistin und der Eigenschaft

, die damit einhergeht, dass man sich schnell in neue Sachverhalte einarbeiten kann. So konnte ich Sausebrause in Eigenregie hochziehen. Ich brauchte kein externes PR-Büro, verstand wie ich mit den

 Herstellern der Produkte, die ich anbiete wollte, sprechen musste. Das Erstellen von Produktbeschreibungen, Werbematerial und natürlich meinen Webshop fiel mir dadurch verhältnismäßig leicht.

Ich muss noch manchmal an meine Deutsch-LK Lehrerin Frau Soppe denken, die uns immer wieder predigte, wir müssen heutzutage studieren, um etwas zu werden: Veto. Sicherlich ist das bei den einen oder anderen Fachgebieten nicht zu vermeiden. Aber vorrangig geht es doch darum, dass wir unseren Weg finden und diesen gehen. Viel zu oft werfen wir wundervolle Ideen und Träume über Bord. Insbesondere als Mama lodert in uns der Satz: „Ich kann das nicht mit den Kids!“. Stimmt nicht. Werft diesen Glaubenssatz über Bord und trefft eine neue Entscheidung. Jederzeit. Mit Sausebrause habe ich alles unter einen Hut gebracht: Ich kann mich als Journalistin über neue Trend im Bereich Kidsinterieur auslassen, ich kann als Mama andere Mamis mit auf Inspirationsreise nehmen, um Kinderzimmern einen neuen Wind einzuhauchen. Aber vor allem kann ich hier ich sein.

 

MM: Was war/ist deine Vision, die du mit Sausebrause verfolgst? Wie leicht/schwer war es für dich deine Idee zu realisieren?

Ellen: Meine Vision ist es zu den Top-Shops in Deutschland zu gehören, was Kids-Interior angeht. Ich habe mir vorab viele Gedanken gemacht: Gehe ich diesen Schritt oder nicht? Ein Online-Shop für Kids-Interior ist nicht gerade DIE Marktlücke. Ich als Mama von nun bald drei Kindern stecke meine ganze Liebe und Leidenschaft in diesen Shop. Und es gab auch Dämpfer. Zum Beispiel musste ich lernen, dass man so einen Online-Shop nicht unbedingt im Sommer eröffnen sollte, so wie ich das getan habe. Denn da sind die Leute draußen, im besten Fall im Urlaub und haben dafür auch ihr Geld ausgegeben. In den “dunkleren” Monaten wird man dann eher produktiv und kommt dazu es sich zu Hause hübsch zu machen. So war der Start erstmal holprig. Aber auf solche Situationen muss man dann eingehen, sich erneut einen Plan machen und dann weiter. Nach 10 Monaten hat sich Sausebrause auf dem Markt für stilvolles Kinderzimmer-Interieur etabliert. Und ich kann mir sagen: Das habe ich alleine geschafft, weil ich immer an meine Idee und mich geglaubt habe!

 

MM: Wie schaffst du es als Mutter von drei Kindern, Zeit und Energie für deinen (Traum-)Job aufzubringen?

Bild: Kira Nießing

Ellen: Wenn man sich einmal für den eigenen Traum entschieden hat, hat man plötzlich auch die Energie dazu. Das ist natürlich auch eine Typsache, aber ich bin gut darin mich zu organisieren. Auch mein Mann ist in Vollzeit berufstätig und kann, was die Betreuung der Kinder angeht nicht einspringen. Aber er steht, was Sausebrause angeht voll hinter mir. Und es ist super, dass wir für die beiden Kinder eine Kita haben. So kann ich von 9 bis 15 Uhr für Sausebrause arbeiten. In der Phase vor dem Shop-Eröffnung, als sehr viel zu tun ware, habe ich aber auch schon mal morgens um 5 Uhr losgelegt, während die Familie noch schlief. Da waren wir gerade im Urlaub und ich bin raus aus dem Campingwagen und saß mit dem Laptop in der Natur, während um mich herum die Grillen zirpten und langsam die Sonne aufging.

Mit Baby Nummer drei geht es nun erst einmal etwas langsamer. Aber ich bin meine eigene Chefin und entscheide wann, was und wie passiert. Und ich finde es in diesen Fällen wichtig, dass wir zum Beispiel eine Putzfrau haben. Damit habe ich einen Tag mehr für Sausebrause und muss mich nicht so sehr um die Hausarbeit kümmern. Das ist in gewisser Weise ein Luxus, aber eben auch Teil davon, wie man sich selbst organisiert, indem man schaut: Was mache ich selbst und was gebe ich ab. Mein Mann und ich haben für uns erkannt, dass Kinder keine Sperre bedeuten. Gechillte Mami, gechillte Kinder, sagen wir immer.

 

Bild: Kira Nießing

MM: Welche Rolle spielt deine Selbständigkeit für dich als Mama?

Ellen: Als Mutter profitiere ich von der Flexibilität, die die Selbstständigkeit mir bietet. Wenn man ein Kind spontan krank ist, was einfach passiert, muss ich meiner Arbeitgeberin gegenüber kein schlechtes Gewissen haben. Dann ärgere ich mich vielleicht selbst, dass das neue Produkt, das ich an diesem Tag im Shop vorstellen wollte erst etwas später kommt. Aber das ist dann okay. Disziplin gehört zwar dazu, aber wenn man an seinem Traum arbeitet, kommt die meist automatisch.

 

MM: Welche Talente/Eigenschaften helfen dir?

Ellen: Ich glaube ich habe ein Auge dafür wie man ein Zimmer gestalten kann, ohne dass es überladen und voll ist. Das passierte bei Kinderzimmern durch das viele bunte Spielzeug sonst schnell. Ich sehe ein Kinderzimmer aber auch als Rückzugsort und Kuscheloase.

Um Sausebrause vom Traum zum Alltag werden zu lassen halfen mir ein starke Wille, Disziplin und Selbstreflexion. Das bedeutet für mich, mir auch Rat zu holen, in Bereichen in denen ich Feedback gebrauchen kann und ansonsten auf mein Bauchgefühl zu hören. Ich habe eine wundervolle Freundin, die Coachings gibt, auf die greife ich gerne zurück, wenn mal Ängste aufkommen.

 

Bild: Kira Nießing

MM: Hättest du als Nicht-Mama etwas anders gemacht?

Ellen: Als Mutter fragt man sich manchmal: Wo würde ich stehen, wenn ich die Kinder nicht hätte? Aber ich sehe meine Kinder als absolute Bereicherung nicht nur im Leben, sondern in der eigenenen Persönlichkeitsentwicklung. Kinder spiegeln einem so vieles und lehren einen damit viel über sich selbst, das man sonst nicht bemerkt hätte. Ohne meine Kinder wäre ich diesen Weg nicht gegangen. Dann wäre Sausebrause immer noch ein Traum oder sogar ein Hirngespinst. Auch wenn hier und da Umwege dabei waren, war dies der beste Weg für mich, meine Familie und meine Träume.

Juliane
Juliane Schreiber
juliane@mamameeting.de