Eine kurze Elternzeit ist schlecht für die Karriere. WTF?

„Ey Mann, wo ist mein Job?!“, fragen sich nicht wenige Frauen nach der Elternzeit. In ganz schweren Fällen macht sich der Karriereverlust schon nach der Schwangerschaftsmitteilung bemerkbar. Viele Chefs geben Zuständigkeiten und Verantwortung lieber an kinderlose Frauen oder Männer weiter. Wobei bei letzteren egal ist, ob sie auch Väter sind. Das ist nicht nur ungerecht, sondern auch total dämlich. Denn wer eine Frau deswegen nicht mehr will, weil sie ein Kind hat, will auch keinen Erfolg für sein Unternehmen.

 

Lena Hipps Studie am Wissenschaftszentrums Berlin für Sozialforschung kippt gerade noch mehr Öl ins Feuer. Die Wissenschaftlerin fand heraus, dass deutsche Arbeitgeber es besser bewerten, wenn Mama länger Elternzeit genommen hat, statt sich nach dem Mutterschutz wieder in den Job zu stürzen. Mehr noch, so zeige diese Studie, dass Frauen, die lange Elternzeit nehmen als “warmherziger, gutmütiger, als weniger intrigant und einschüchternd” von ihren potentiellen Vorgesetzten wahrgenommen würden. Die Idee, dass Du mit einem Kind in den Augen anderer plötzlich von der egoistischen, karrieregeilen Zicke zur selbstlosen, verständnisvollen Philantrophin wirst, spiegelt in erster Linie die Dichotomie beider Klisché. Eine Geburt ist keine Gehirnwäsche. Frauen mit Kindern sind nicht automatisch selbstlos und Frauen ohne nicht automatisch egoistisch.

 

Spannend ist an dieser Studie allerdings, dass Arbeitgeber erstmals nicht nur darauf getestet wurden, ob sie Mütter überhaupt einstellen, sondern welche Moms sie in ihrem Unternehmen wollen. Das Paradoxe: Die mütterlichen, warmherzigeren Frauen sollen bessere Chancen auf dem Arbeitsmarkt haben. Ein Umfeld, von dem immer wieder betont wird, dass es wichtig wäre, sich durchzukämpfen, Risiken einzugehen und für das man(n) generell, naja, halt eher Charaktereigenschaften braucht, die als “männlich” umschrieben werden. Was nun also? Sollte man als Mutter sogar noch länger der Arbeitsstelle fern bleiben, bis Herr und Frau Mögliche(r) Vorgesetzte(r) für sich geklärt haben, was sie eigentlich wollen?

 

William und Dempsey, die Autorinnen des Buchs “What Works for Women at Work”, stellen Studien vor, demnach Mamas im Bewerbungswettbewerb gegen Nicht-Mütter stets den kürzeren ziehen. Auch nicht schön zu lesen. Dahinter steht laut den amerikanischen Autorinnen ein meist unbewusster Prozess, dem auch die Frauen selbst nicht leicht entkommen können. Es ist die Annahme, dass ein “biologischer Imperativer” die Energie der Mütter weg leitet von ihren Karrierezielen, hin zu Wohl ihres Kindes. Nach diesem Denken geht nur eins: Kind ODER Karriere. Beides zu versuchen wäre wider der Biologie, so die Annahme. Das Blatt wendet sich, wenn William und Dempsey auf Studien der Businessschulen Wall Street MBA und Harvard MBA hinweisen. Dabei wurde nicht nur untersucht, ob Frauen sich lieber der Familie widmen wollten, sondern auch, ob sie in ihren Arbeitsumfeldern Feindseligkeiten und Diskriminierung gegen Schwangere oder Mütter erlebt hätten. Das Ergebnis: Eine Schnittmenge. Da wo Mamas schlecht behandelt worden, waren sie auch bereit das Unternehmen “zum Wohl der Familie” zu verlassen. Die Harvard Studie geht sogar noch eins weiter und hat familienfreundliche und nicht-familienfreundliche Arbeitgeber vergleichen. Je familienfeindlicher das Unternehmen, desto stärker fühlten sich die Arbeitnehmerinnen zu ihrem “biologischen Imperative” hingezogen. Höm… und die sagten dann wohl : “Ich muss mich ums Kind kümmern” und meinten “Macht Euren Scheiß doch selber!”.

Das Fazit könnte also auch einfach heißen: Frauen (mit Kindern und ohne und Männer wohl auch) arbeiten nicht gerne für Arschlöcher. Und nur ein solches interpretiert in die Länge der genommenen Elternzeit den Charakter der potentiellen Mitarbeiterin. Ob Mütter ihre Energie, ihre Ausdauer und ihre Superkräfte einem Unternehmen bieten, hängt nicht nur von der Familienfreundlichkeit, sondern auch einfach der Menschlichkeit des Arbeitsumfeldes ab.

 

Dieser Artikel nimmt teil an der Blogparade vom CSR Kompetenzzentrum.

Juliane
Juliane Schreiber
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