„Du bist, was du tust – also tue, was du liebst!“

Lieber Macherin als Mitläuferin, das ist Christina Winter. Die 35-jährige Geschäftsfrau und Mutter steht hinter dem Unternehmen Designerseits. Hier bietet sie nicht nur ihr grafisches Können an, sondern gibt ihr Know-How und ihre Erfahrungen auch in Workshops weiter. Mama Meeting hat die Superfrau mit orangefarbigem Haar darum gebeten uns zu verraten, wie man sooooo super wird.

 

Wann und wie hast du gemerkt, dass Design einfach „dein Ding“ ist? Und wie ist daraus Designerseits entstanden?

Design bzw. Kreativität war immer schon mein Ding. In Kunst habe ich im Abi immer eine 1+ gehabt (hat meinen Schnitt aber auch nicht gerettet!). Etwas anderes, als kreativ tätig zu sein, konnte und kann ich mir nicht vorstellen. Ich bin ein Mensch, der in Bildern denkt – wenn du was erzählst, geht mein Kopfkino direkt los und es entstehen Ideen über Ideen.

Aufgebaut habe ich Designerseits 2007 als Kleinunternehmen neben der Vollzeitbeschäftigung als Grafikerin.

Entscheidender Wendepunkt in meinem Leben war natürlich die Geburt unserer Tochter im Dezember 2011. Unsere Welt stand Kopf. Der Gedanke, eines Tages als Mutter von zu Hause aus selbstständig im Grafikbereich zu arbeiten, war immer eine schöne Vorstellung, die in meinem Kopf herumschwirrte. Mehr als eine Vorstellung allerdings auch nicht, denn ich bin nicht gerade der Typ Mensch, der sich schnell neue Sachen zutraut und sich Herausforderungen stellt – ich liebe Komfortzonen.

Aufgrund der veränderten Firmenstrukturierung bei meinem ehemaligen Arbeitgeber und der Anforderung der Vereinbarkeit von Familie und Beruf war aus meiner Sicht ein Zurückkehren in die alte Anstellung nicht mehr möglich. Von meinem Mann kam letztendlich vor 6 Jahren der alles entscheidende Satz: „Wenn dir die Umstände nicht mehr passen, dann mach dich doch selbstständig – die Voraussetzungen dafür sind doch da!“ 

Rein nüchtern betrachtet hatte er natürlich Recht – eine abgeschlossene Ausbildung zur Mediendesignerin, eine Fortbildung zur Fachkkauffrau für Marketing und Vertriebsmanagement (sogar mit IHK-Auszeichnung!), ein gut laufendes Kleinstunternehmen, ein eigenes Büro im Haus, ein Mac mit entsprechenden Programmen, der Rückhalt der Familie, ein großes Netzwerk, eine kleine lokale Bekanntheit und vor allem der Wille zu arbeiten waren vorhanden.

Emotional betrachtet war das noch mal eine ganz andere Sache – wie gesagt, Komfortzonendenken! Dennoch: Es folgt die Kündigung meinerseits im September 2012 und damit der Sprung ins Existenzgründerwasser. Ohne vorherige Beratung beim Arbeitsamt, ohne Beantragung des Existenzgründerzuschusses, ohne Existenzgründerseminare – einfach drauflosarbeiten. Das ist es, was ich wollte – einfach arbeiten, ohne endlose Formulare und ohne dass mir jemand reinspricht!

Also los ins Grafikgetümmel – gestatten meinerseits: Designerseits! Seit dem 1.1.2013 zu 100% selbstständig! Seit September 2014 sogar mit dem Unternehmerinnenbrief NRW für eine erfolgreiche Gründung ausgezeichnet.

 

 

Work is not a Job, was bedeutet das für dich?

Wenn sich Arbeit nicht wie Arbeit anfühlt, dann weißt du, dass du in diesem Bereich richtig bist. Mit Designerseits habe ich mir genau das geschaffen, was mich tagtäglich glücklich macht, ohne mich dafür motivieren zu müssen.

Mit Designerseits biete ich einerseits Grafikdesign für Existenzgründer und kleine Unternehmen an und andererseits individuelle Papeterie für Leute, die das Leben feiern. Mittlerweile auch Coachings und Tagesworkshops zu diversen Themen der Selbstständigkeit.

Bewusst habe ich mich für diese  Positionierung gar nicht entschieden – es hat sich viel mehr einfach über die letzten Jahre glücklicherweise in diese Richtung entwickelt. Und darüber bin ich sehr froh, denn sowohl Corporate Design als auch individuelle Papeterie lassen sich hervorragend miteinander im Designerinnenalltag kombinieren. Würde ich „nur“ Grafikdesign anbieten (Logogestaltung, Visitenkarten, Flyer, Broschüren und Co.), käme mir der emotionale Aspekt zu kurz. Würde ich nur individuelle Papeterie, vor allem Hochzeitspapeterie, umsetzen, wäre es einfach zu viel rosarote Brille. So sind beide Bereiche ausgewogen und liegen von der Zeiteinteilung und vom Umsatz her tatsächlich auch fast im Verhältnis 50/50.

Wofür ich mich bewusst entschieden habe, ist die Ausrichtung auf die „kleineren“ Kunden anstatt auf die großen Unternehmen. Während meiner Arbeit in Agenturen habe ich durchaus mit größeren Kunden zu tun gehabt. Das Resultat für mich persönlich: Die Wertschätzung von Gestaltungsleistungen geht aus eigener Erfahrung heraus eher verloren, je höher die Position im jeweiligen Unternehmen ist und je mehr Budget zur Verfügung steht. Häufig spielte auch die Zeit eine große Rolle – Deadlines mussten eingehalten werden und der Kunde überlegt sich um 5 vor 12, was er denn haben möchte. Da wird’s echt eng mit der Kreativität. Oft habe ich gedacht, wie schön die Gestaltung hätte sein können, wenn etwas mehr Zeit vorhanden gewesen wäre. Dementsprechend stand ich häufig nicht 100%ig hinter den Layouts, die ich umgesetzt habe, und bin gefrustet in den Feierabend gegangen.

Mir liegen die „kleinen Leute und Unternehmen“ am Herzen. Existenzgründer, Start-Up’s und kleine Unternehmen haben tolle Ideen und stecken so viel Liebe und Arbeit in ihr Business. Das Schöne daran: Erst das Corporate Design macht die Idee sichtbar und erlebbar – mit Designerseits bin ich also von Anfang an ohne Zeitdruck dabei, dem Unternehmen ein individuelles Gesicht zu verleihen. Wir spinnen gemeinsam an Ideen. Ich bin dabei, wie aus Existenzgründung ein richtig kleines Unternehmen wird und weiter wächst. Und ich sehe, welchen Anteil eine kreative und authentische Gestaltung am Erfolg haben kann.

Designerseits ist also kein Job, sondern eine Berufung. Der Beitrag, den ich leiste, macht mich glücklich. Ich arbeite nicht für andere, sondern mit anderen Menschen. Und um mich mit Aufgaben und Menschen zu beschäftigen, die mich begeistern.

Du bist, was du tust – also tue, was du liebst! Das lebe ich nicht nur, sondern gebe ich auch in meiner Arbeit mit Start-Ups und Gründern an sie weiter.

 

Was hat das Muttersein an deinem Berufsleben geändert?

Definitiv steht fest: Ohne Kind wäre ich jetzt nicht selbstständig.
Was aber auch feststeht: Selbstständigkeit mit Kind ist kein Zuckerschlecken.

Nach der Geburt von Malu habe ich 3,5 Jahre von zu Hause aus meinem großen Home-Office gearbeitet – was viele sich so toll ausmalen, war für den Anfang eine gute Lösung, hat sich aber immer mehr zum Selbstläufer entwickelt und wurde zum Schluss unkontrollierbar. Der Rechner war 24 Stunden am Tag und 7 Tage die Woche an.

Jede freie Minute wurde zum Arbeiten genutzt – Familienzeit hatten wir zu wenig, Zweisamkeit nur noch selten. Designerseits war immer präsent, eine Abgrenzung von Familien- und Berufsleben war nicht möglich.

Aus diesen Gründen habe ich seit dem 1.2.2015 mein Büro im 20 Minuten entfernten Gescher in der freien Bürogemeinschaft „einfallsreich!“ mit drei weiteren branchenfremden Bürokolleginnen, die gute Freundinnen geworden sind – verbunden mit täglichen Öffnungszeiten von 9-14 Uhr, die sich mit den Schul-Zeiten vereinbaren lassen. Nach 14 Uhr geht der Anrufbeantworter an, eine Handynummer sucht man vergebens auf der Visitenkarte. Der Rechner steht im Büro – Zuhause ist also kreatives Gestalten am Rechner nicht mehr möglich. Höchstens noch Bastelarbeiten für Hochzeitspapeterie oder Zeit für Social Media.


Es gibt also Dank der Öffnungszeiten wieder einen regulären Feierabend und eine bewusste Trennung zwischen Beruf und Familie mit viel Zeit für die schönen Dinge im (Familien-)Leben. Die Entscheidung, ein Büro außer Haus anzumieten, war eine der besten Entscheidungen, die ich bisher getroffen habe.

 

Wie sieht die “ideale” Arbeitswelt für Dich aus? Kannst du sie aktuell so leben?

Die ideale Arbeitswelt habe ich für mich persönlich bereits zu 90% gefunden. Die letzten 10% sind persönliche Kleinigkeiten.

Ich brenne für das, was ich tue, bin meine eigene Chefin, kann meine eigenen Ideen umsetzen und meine Arbeitszeiten so legen, dass es mir möglich ist, Familie und Beruf optimal zu vereinen.
Ich schätze sehr, dass fast jeden Tag dank guter Positionierung tolle Kunden von alleine mit kreativen Aufträgen kommen, dass es nie langweilig wird und dass sich Arbeit nicht wie Arbeit anfühlt. Selbst Montage sind herrlich – und das macht mich glücklich.
Ich habe jeden Tag dank der Bürogemeinschaft wertvollen Input zu jeglicher Lebenslage und einen Austausch mit Mehrwert, den ich sehr schätze.

Wenn ich mir dann noch etwas wünschen dürfte für die allgemeine ideale Arbeitswelt, dann wäre es die vollständige Gleichberechtigung im beruflichen Kontext zwischen Vätern und Müttern (oder auch Männern und Frauen).  

 

Thema: Zeitmanagement mit Kind.
Wie organisierst du deinen Tag und welche „Tools“ nutzt du dafür?

In den ersten Jahren mit Kind war Zeitmanagement für mich tatsächlich ein Fremdwort. Oder sagen wir: Sie war stets bemüht. Wie oben bereits erwähnt, hab ich jede freie Minute zum Arbeiten genutzt, was dazu führte, dass es irgendwann gar kein Zeitmanagement mehr gab und alles außer Kontrolle geraten ist.

Seitdem ich mein Designerseits-Büro nach Gescher verlagert habe – verbunden mit festen Öffnungszeiten von 9-14 Uhr  – kann ich bewusst Beruf und Familie zeitlich wieder trennen.

Tools benutze ich keine. Seit März diesen Jahres stehe ich täglich (bis auf’s Wochenende) um 5:30 Uhr auf, um Zeit für mich zu haben, den Tag zu strukturieren, meine To-Do-Liste mit den wichtigsten Aufgaben zu schreiben und Gedanken einfach freien Lauf zu lassen. Das ging mir tatsächlich im normalen Alltag in der „Rolle“ als Ehefrau, Mutter und selbstständige Grafikerin sonst unter – mir fehlte einfach die Zeit für mich. Deshalb musste ich mir einen Zeitraum schaffen, der mir ganz alleine gehört.

Wenn es zeitlich eng wird, haben wir zum Glück beide Großeltern vor Ort, die häufig auch spontan einspringen. An dieser Stelle ein dickes DANKESCHÖN an Oma & Opa Winter/Wielens  – ohne euch wären wir manchmal aufgeschmissen.

 

Du hörst „Momspirit“, woran denkst du?

„Momspirit“ beflügelt. Momspirit lässt uns über uns selbst hinauswachsen. Momspirit ist „das Taff-Sein“ und die Fähigkeit, auf vielen Ebenen gleichzeitig zu agieren – und dabei du selbst zu bleiben.

 

 

 

Kontakt:

www.designerseits.de
www.facebook.com/designerseits
www.instagram.com/designerseits
www.pinterest.com/designerseits

Juliane
Juliane Schreiber
juliane@mamameeting.de