Der Begriff Flexibilität in Stellenanzeigen weist nicht immer nur auf moderne, für die Mitarbeiter:innen flexibel gestaltbare Arbeitsmodelle hin. Häufig liest man: „Mitarbeiterin auf flexibler Stundenbasis gesucht“ oder auch „Wir suchen jemanden, der flexibel und belastbar ist“. Auch die Platzierung des Begriffs Flexibilität innerhalb der Stellenanzeige spielt eine große Rolle.  Hier erklären wir darum einmal, was flexibles Arbeiten ist und worauf Du (nicht nur als berufstätige Mutter) achten solltest, wenn Du einen Job mit Flexibilität für Dich suchst:

Drei Dimensionen flexiblen Arbeitens

Im folgenden Beitrag gehen wir auf drei Dimensionen flexiblen Arbeitens ein:

  1. Temporale Flexibilität
  2. Lokale Flexibilität
  3. Flexible Karrierewege

Temporale bzw. zeitliche Flexibilität – Auf Abruf sein vs. Zeit selbst einteilen

Zeitlich flexibel zu arbeiten, kann sowohl bedeuten, dass Du quasi auf Abruf bereit zu stehen hast, als auch, dass Du selbst entscheiden kannst, wann Du arbeitest. Hier spielt der Beruf selbst und die damit verbundenen Anforderungen eine Rolle. Mediziner:innen haben bspw. berufsbedingt häufig Dienste, in denen sie auf Abruf bereit zu stehen haben. Schließlich passieren gerade medizinische Notfälle nicht planbar. In anderen Berufen spielt es bis zu bestimmten Deadlines keine Rolle, wann welcher Arbeitsschritt erfolgt, solange niemand im Arbeitsprozess davon abhängig ist. Hier hilft es Dir, neben der Stellenanzeige, die Anforderungen des allgemeinen Berufsprofils anzuschauen. Wer ist von Deiner Tätigkeit abhängig? Wirst Du spontan gebraucht? Spielt schnelles Handeln und reagieren eine Rolle für diese Arbeit.

Flexible Arbeitszeiten - Das Kontinuum von Vollzeit bis Teilzeit

„Job in Vollzeit“ oder „Job in Teilzeit“ sind völlig unspezifische Aussagen. Denn es gibt ganz unterschiedliche Formen der Teilzeit und Vollzeit. Wie viele Stunden Vollzeit entspricht, ist abhängig vom Unternehmen, der Branche, Tarifverträgen oder regionalen Traditionen. Meist liegt die Vollzeit in Deutschland zwischen 36 Stunden und 41 Stunden pro Woche. Abhängig von der Stundenzahl der Vollzeit je nach Branche ist dann auch die jeweilige Teilzeit. Teilzeit bedeutet nicht 50 %, sondern ist hier vielfältig. Aus betrieblichen Gründen ist die geringst-mögliche Teilzeitarbeitszeit meist 15 Stunden. Der Umfang der Arbeitszeit trifft aber noch keine Aussage über die Verteilung der Arbeitszeit, sondern kann sowohl an festen Präsenzzeiten hängen, als auch von den Mitarbeiter:innen selbst organisiert verteilt werden. Und Teilzeit heißt nicht Teilzeit auf Ewig. Hier wird’s quasi nochmal besonders flexibel, nämliche flexibel in Hinblick auf sich verändernden Lebensphasen:

Flexible Teilzeit-Modelle für sich verändernde Lebensphasen

Dies findet man selten in Stellenanzeigen, ist aber wichtig für Deine flexible Lebensgestaltung als Mitarbeiter:in. Verschiedene Teilzeitmodelle ermöglichen es in Deutschland vorübergehend in Teilzeit zu arbeiten. Beispiel:

  • Die Brückenteilzeit ist eine vorübergehende Teilzeit. In Brückenteilzeit kannst Du für mindestens ein Jahr aber maximal fünf Jahre in Teilzeit arbeiten und nach Ablauf des gesetzten Zeitfensters zurück zu einem bestehenden Vollzeit-Vertrag.
  • Bei Teilzeit in Elternzeit gilt die Arbeitszeitreduzierung für die Zeit, die Du noch in Elternzeit bist. Hast Du also z.B. drei Jahre Elternzeit eingereicht und möchtest nach einem Jahr wieder in den Job einsteigen, kannst Du dies in Teilzeit in Elternzeit tun. Das hat vielfältige Vorteile und hierzu empfehlen wir die Webinare von MOM’S LAW.

Auch in diesen Modellen gibt’s möglicherweise betriebliche Vorgaben dazu, wann die Arbeitszeit zu erbringen ist. Und auch Brückenteilzeit und Teilzeit in Elternzeit haben kein festes Stundenlevel. Den Umfang besprechen und beschließen Arbeitnehmer:innen und Arbeitgeber:innen i.d.R. gemeinsam. Auch zu den Anträgen und Fristen hierzu, erhältst Du bei MOM’S LAW viele nützliche weitere Informationen.

Arbeiten wann DU willst – Flexible Vertrauensarbeitszeit mit fester Arbeitszeit

Wenn es für Dich wichtig ist, dass Du selbst entscheiden kannst, wann Du arbeitest und dabei niemand in Abhängigkeit von Deiner Präsenz steht, ist Vertrauensarbeitszeit das Stichwort nach dem Du bei der Jobsuche Ausschau halten solltest. Auch Vertrauensarbeitszeit kann in Vollzeit oder Teilzeit erfolgen, aber letztlich einigen sich Arbeitgeber:innen und Arbeitnehmer:innen hier auf die Entlohnung deiner Arbeit und weniger die Entlohnung deiner Arbeitszeit. Bei Vertrauensarbeitszeit wird nicht nachgerechnet. Trotzdem muss vertraglich ein Stundenumfang festgehalten werden, um z.B. Urlaubsansprüche zu klären.

Lokale aka räumliche Flexibilität: Ortsunabhängiges Arbeiten – Flexibel arbeiten von überall

Flexibles Arbeiten kann auch bedeuten zu festen Zeiten zu arbeiten, aber nicht von einem festen Ort aus. Berufe, bei denen Mitarbeiter:innen zu Kunden reisen, um dort eine Leistung zu vollbringen, sind damit räumlich flexibel. In der aktuellen Zeit fallen bei ortsunabhängigem Arbeiten Schlagworte wie Workation und „arbeiten von überall auf der Welt“. Tatsächlich trifft das nur auf eine sehr kleine Gruppe von Berufstätigen zu, die zum einen keine Arbeitsgeräte brauchen oder nur solche, die sich leicht mitnehmen und bewegen lassen oder solche, die meist selbstständig als sogenannte digitale Nomaden arbeiten. Lokale Flexibilität bei Stellenanzeigen weist meist darauf hin, dass die Stelle

  • Mit Reisetätigkeiten verbunden ist,
  • Home Office möglich ist (Hier muss dann eine tatsächliche Arbeitsstätte in der eigenen Wohnung, dem eigenen Haus eingerichtet werden)
  • Oder Remote Work vertraglich geregelt ist, bei dem die Mitarbeiter:innen selbst entscheiden können, von wo sie arbeiten, sie aber durchaus dort arbeiten sollten, wo sie in der Lage sind ihrer Tätigkeit nachzugehen. Remote Work in einem Job, der schnelles Internet erfordert, an einem Ort ohne Wlan-Empfang umzusetzen, ist für alle Seiten eher suboptimal.

Arbeiten von überall in Deutschland ist easy, arbeiten von überall auf der Welt nicht so

Beim „Arbeiten von Überall“ kommt noch eine weitere Herausforderung hinzu für die Unternehmensseitig Vorkehrungen zu treffen sind. Flexibles Remote Work aus ganz Deutschland ist meist leicht umzusetzen. Möchten oder sollen Mitarbeiter:innen, wie im Fall der Workation, im Ausland arbeiten, wird’s komplexer.

  • Bis zu 182 Tage im ausländischen Home Office zu arbeiten, ist möglich, solange der Wohnsitz in Deutschland in dieser Zeit weiterbesteht. Wer als digitaler Nomade im Unternehmen anheuern will, ohne festen Wohnsitz in Deutschland kriegt Probleme.
  • Workation-/Auslandsentsendungs-Herausforderungen für Unternehmen: Gerade auf Unternehmensseite ist die Umsetzung einer Workation gar nicht sooo einfach. Denn neben Regelugen für Lohnsteuer und Sozialabgaben, stellt sich z.B. die Visumsfrage. Wer mit einem Touristenvisum in ein Land einreist, verstößt gegen das Gesetz, wenn er/sie für die Workation vor Ort ist. Ggf. müssen darum Arbeitserlaubnissen und spezielle Visa vorab beantragt werden. Arbeiten Mitarbeiter:innen z.B. in einer Ferienwohnung im Ausland, lassen sich Post dorthin zustellen oder auch Waren, die für die Arbeit relevant sind, kann dies von den Behörden des Landes als Gründung bzw. Betreiben einer Betriebsstätte gesehen werden.

Flexible Karrierewege: Flexibles Arbeiten – eine Matrix von Möglichkeiten für vielfältige Lebensphasen

Räumliche und zeitliche Flexibilität beim Arbeiten lassen sich selbstverständlich vielfältig kombinieren. Und an dieser Vielfalt zeigt sich die dritte und wohl wichtigste Dimension flexibler Arbeitsmodelle. Denn die wirkliche Krux beim flexiblen Arbeiten ist, dass sich unsere Ansprüche und Bedürfnisse im Laufe der Zeit verändern. Zur Lebensphase des Berufseinstieg kann ortsunabhängiges, flexibles Arbeiten in Vollzeitnaher Teilzeit attraktiv sein kann, um ausreichend Zeit für Weiterbildung und Hobbies zu haben. Mit der Familiengründen kommen dann räumlich gebundene Institutionen wie Kindergärten und Schulen in den Mix, die Mitarbeiter:innen feste Verfügbarkeitszeitfenster-Vorgeben. Durch eingeschränkte Betreuungszeiten für Kinder, aber auch zusätzliche Pendelstrecken, benötigen Eltern die Möglichkeit auf Teilzeitmodelle zurückzugreifen, um ihrer Erwerbstätigkeit nachgehen zu können. Werden Familienmitglieder pflegebedürftig, möchten Angestellte diese gerne zu Hause betreuen und Home Office oder Remote Work erleichtern das Jonglieren privater und berufliche Verpflichtungen.

Dazu kommt, dass lineare Karrierewege outdated sind. Laut IWD betrug die durchschnittliche Betriebszugehörigkeit 2019 elf Jahre. Nach etwa elf Jahren wechseln Mitarbeiter:innen das Unternehmen. Jüngere wechseln meist häufiger und früher.

Individuelle Karrierewege statt linearer Lebensläufe

In diesem Zusammenhang finden auch Umorientierungen und neue berufliche Positionierungen statt. Diese flexiblen Karrierewege fördern auf Mitarbeiter:innenseite die berufliche und persönliche Weiterentwicklung. Wer sich kontinuierlich weiterbildet und neues lernt, bleibt mental fit, hat mehr Spaß an der Arbeit und partizipiert meist stärker an Innovationen für die eigenen Branche bzw. das Unternehmen. Die vielfältigen Dimensionen auf aufzeigten Möglichkeiten flexibler Arbeitsmodelle, räumlich und zeitlich, ermöglichen es Unternehmen auf die Lebensverläufe ihrer Mitarbeiter:innen passend zu reagieren. Dazu braucht es neben Wissen, um die rechtlichen, betrieblichen und organisatorischen Aspekte flexiblen Arbeitens auch Maßnahmen, die auf Ebene der Unternehmenskultur ansetzen.

Flexibilität in der Stellenanzeige – Hier sollte sie auftauchen

Ob ein Unternehmen individuelle Lebensbedürfnisse von Mitarbeiter:innen beachtet und darauf reagiert, liest man meist nicht in Stellenanzeigen. Hier sind Veröffentlichungen im Kontext des Employer Brandings aufschlussreicher. Werden Mitarbeiter:innen des Unternehmens als Personen mit ihren Lebensrealitäten vorgestellt, als Role Models oder auch einfach, um zu zeigen, wer im Unternehmen arbeitet, lässt sich daraus manchmal auch ableiten, ob flexible Arbeitsmodelle zum Einsatz kommen. Werden Personen z.B. als Eltern sichtbar gemacht, oder Menschen, die sich auch außerhalb des Arbeitsumfelds für ihre Gemeinde oder Initiativen engagieren oder wird das Image von „Wir sind alle mit dem Job verheiratet“ präsentiert? In letztem Fall ist es wahrscheinlich, dass sich Flexibilität eher als Anforderung an Bewerberinnen in der Stellenanzeige findet. Wer flexible Arbeitsmodelle, räumlich, zeitlich und ausgelegt auf individuelle Lebensphasen sucht, sollte in Bereichen der Stellenanzeige nach Flexibilität suchen, in denen die Unternehmenskultur oder die Leistungen für die Mitarbeiter:innen beschrieben werden.

Vereinbarkeits Manager/in (IHK) werden und flexible Arbeitsmodelle gestalten und begleiten

Mehr zu flexiblen Arbeitsmodellen, lebensphasen-orientierte Karriereverläufen und Best-Practices gibt’s im Zertifikatslehrgang Vereinbarkeits Manager/in (IHK). In diesem Lehrgang werden Expert:innen ausgebildet, die flexible Arbeitsmodelle passend für die Anforderungen von Branchen und Unternehmen und den Bedürfnissen von Mitarbeiter:innen konzipieren, implementieren und evaluieren. Mehr zum Lehrgang gibt’s unter www.smartworq.de

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