Jemand anderes im Office bekommt das Projekt zu genau DEINEM Thema?  Deine Selbstwahrnehmung steht im krassen Konflikt dazu, worauf man Dich regelmäßig anspricht? Du steckst in einer Schublade fest und möchtest da dringend raus? Dann haben wir eine Leseempfehlung für Dich: „Nur wer sichtbar ist, findet auch statt“ von Unternehmerin, Moderatorin und Speakerin Tijen Onaran. Sie geht im Buch darauf ein, wie Du Deine Themen findest und Dich als Expertin und Ansprechpartnerin positionierst. Tijen engagiert sich mit ihrem Unternehmen Global Digital Women für die Vernetzung und Sichtbarkeit von Frauen in der Digitalbranche, berät Unternehmen in Diversitätsfragen und Kommunikation und zählt laut Manager Magazin zu den top 100 einflussreichsten Frauen der deutschen Wirtschaft.

Liebe Tijen, in Deinem neuen Buch geht’s um Personal Branding. Ist es Personal Branding, wenn ich meinen (trivialen) Alltag bei Instagram veröffentliche? Reicht das schon? Oder brauche ich doch ein „richtiges“ Thema?

Gutes Personal Branding ist immer inhaltlich getrieben! Dabei kommt es gar nicht so sehr darauf an welches Thema ich besetze, sondern vor allem wie. Ob ich im Pflegeberuf arbeite, in einem großen Konzern tätig bin oder gar eine berufliche Auszeit nehme: Personal Branding trägt einen durch jede berufliche Veränderung! Daher ist es so wichtig sich am anfangen seiner eigenen Positionierung sehr genau zu überlegen: mit welchen Themen möchte ich mich positionieren und mit welchen auch nicht? Habe ich mich für ein Thema entschieden, kann ich dieses durchaus auch auf Instagram teilen – nicht der Kanal macht die Musik, sondern das Storytelling! Sprich: wie erzähle ich meine Geschichte und wem?

Welche „Größe“ hat das „Personal Branding“? Geht’s immer darum berühmt zu werden oder kann ich auch die „Marke für XY“ bei mir im Unternehmen sein?

Beim Thema Personal Branding ploppt bei vielen automatisch Selbstinszenierung auf. Dabei geht es nicht darum etwas darzustellen, dass man nicht ist, sondern sich zu positionieren. Ich rate immer sich die Frage zu stellen: will ich von anderen positioniert werden oder selbst Agendasetter sein? Die eigene Geschichte selbst zu erzählen, bevor es andere tun, ist die größte Form der Unabhängigkeit. Ob es darum geht, dass ich meinen Job wechseln möchte, oder gar den Job verliere und auf einen neuen angewiesen bin: Personal Branding ist pure Emanzipation. Wenn andere wissen wofür ich stehe,  macht es mir das Leben in vielerlei Hinsicht leichter. Denn bevor ich bspw. in eine Gehaltvershandlung gehe, weiß mein Gegenüber schon, was ich besonders gut kann. Oder wenn ich tatsächlich darauf angewiesen bin einen neuen Job zu suchen: wenn Menschen mich bereits kennen und vor allem wissen worin ich richtig gut bin, wird es mir die Jobsuche erheblich erleichtern.

Im Buch geht es auch um Schubladen, in die Du gesteckt wurdest. Bitte erzähl uns mehr dazu! Was für Schubladen waren das und vor allem, wie kamst Du da raus?

Schubladen machen vor niemandem halten. Meine waren: junge Frau und Migrationshintergrund. Das erste Mal landete ich in der Schublade als ich mit 20 für die FDP kandidierte – es ging darum Themen zu finden, für die ich im Wahlkampf stehen sollte. Schnell waren Themen rund um Integration, Vereinbarkeit Familie und Beruf – übrigens welch ein Stereotyp aus heutiger Sicht – und Religion teil meiner Positionierung. Da ich mir zuvor über eben diese keinerlei Gedanken gemacht hatte, ließ ich andere entscheiden. Nach dem Wahlkampf habe ich mir selbst versprochen, dass ich mich ab sofort um meine Positionierung selbst kümmern werde. Ich habe mich darauf hingesetzt und überlegt: was sind denn eigentlich Themen, die mich ausmachen – was meine Werte, was meine Haltung? Ich habe mich gefragt: was sind Talente, Fähigkeiten, die ich habe? Und: wenn Menschen meinen Namen hören oder lesen: welche Themen sollen sie mit mir identifizieren?

Reden wir mal über das Mama-Marken-Dilemma. Leider fühlen sich viele berufstätige Mütter als „Mama im Büro“, nach der Rückkehr aus der Elternzeit. Kolleg*innen und Chef*innen schreiben der Mitarbeiterin dann zu, bestimmte „Mama-Eigenschaften“ zu haben, z.B. netter und mitfühlender als vorher zu sein. Das muss nicht unbedingt zutreffen und die Irritation ist groß, wenn sich eine berufstätige Mutter anders äußert oder verhält, als man es von einer „Mami“ erwartet. Was rätst Du Müttern für den Wiedereinstieg? Kann Personal Branding hier helfen?

Mein wichtigster Tipp: setzt auf die Kraft eines „female Squad“! Ich selbst habe bspw. einen sogenannten „female Squad“ an meiner Seite: Frauen, auf die ich setzen kann, wenn ich genau in so einer Situation Stereotypen ausgesetzt bin, die mich in eine Schublade drängen. Dieser Squad besteht aus Frauen, die mich gut kennen und mir sowohl analog wie digital an meine Seite stehen, wenn ich sie brauche. Was mir zudem auch geholfen hat ist meine klare Positionierung: sobald ich gemerkt habe, dass ich in einer Schublade landete habe ich die Aufmerksamkeit auf meine Themen gelenkt und ich bin ein großer Fan von klarer Kommunikation! Ansprechen, aussprechen – nur wer klar kommuniziert gewinnt! 

Thema Teamwork und Sichtbarkeit. Häufig arbeiten ja mehrere Personen zusammen an einem Ergebnis, aber nur eine*r präsentiert/reportete es und ist dann sichtbar. Hat Du Tipps, um Teamwork sichtbarer zu machen?

Personal Branding bedeutet ja nicht nur ich-zentriert zu sein, sondern bietet auch die großartige Chance die eigene Stimme und Reichweite für all die einzusetzen, die beides nicht haben. Das können Kolleg*innen sein, die eben gemeinsam an einem Projekt gearbeitet haben oder Menschen, die aufgrund von Sozialisation und Rahmenbedingungen keinerlei Zugänge haben. Mein Tipp hier ist auf die Kraft der Social Media Kanäle zu setzen. Denn die externe Sichtbarkeit zahlt auf die interne ein, was bedeutet: wenn ich über meinen Kanal Menschen sichtbar mache, sehen das all meine Kolleg*innen auch und das ist gelebtes Teamwork!

Wir mögen es konkret. Bitte gibt uns doch noch 3 To-Do’s mit auf den Weg, um uns direkt sichtbarer zu machen.

Das erste To Do lautet: überlege dir ein Talent und eine Fähigkeit, die dich ausmachen. Das zweite To Do schließ daran an und lautet: überlege dir wo willst du in einem Jahr stehen und welche Zielgruppe muss dich dafür auf dem Zettel haben und kennen? Das dritte To Do lautet dann: entscheide dich für zunächst einen Social Media Kanal und fülle dein Profil so aus, dass jede*r versteht wofür du stehst und was du machst!

Vielen Dank für das Gespräch! 

Das Buch “Nur wer sichtbar ist, findet statt” erscheint am 17. August 2020.

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