Du hast Dich gerade so richtig tief in ein neues Projekt eingearbeitet, da klingelt Dein Handy. Die Kita. Dein Kind hat sich die Nase blutig gestoßen. Bitte abholen. Die Nacht vor der Geschäftsreise kriegst Du keinen Schlaf, obwohl alle Unterlagen längst ready sind. Doch das Dreitagefieber lässt Deiner Familie bis in die Morgenstunden keine Ruhe. Im Sommer kommst Du zu nix, weil die Kita drei Wochen zu hat und die Schule sogar sechs und damit ist Dein Jahresurlaub dann auch verplant. Welcome to Motherhood, ein Land in dem jede Minute etwas Unerwartetes dazwischen kommen kann. Arbeiten ist unter diesen Extrembedingungen nicht immer leicht, aber doch einfacher, wenn Arbeitszeiten und Arbeitsplatz Flexibilität bieten.

Das Hamburger Unternehmen die kartenmacherei will damit nicht nur ihren Eltern im Unternehmen einen Plus bieten. Flexibilität von Zeit und Raum sind hier feste Bestandteile der New Work Kultur. Geschäftsführerin Jennifer Yohannes erklärt Mama Meeting, wie New Work Teil des Arbeitsalltags der Kartenmacherei geworden ist und welche Vorteile es nicht nur den Moms, sondern der ganzen Company bringt.

Kartenmacherei Mama Jobs

Liebe Jennifer, Du bist Geschäftsführerin der kartenmacherei, einem absoluten New Work Unternehmen. Wie unterscheidet sich Deine Rolle als Geschäftsführerin von der in “traditionellen” Unternehmen?

Inhaltlich unterscheidet sich meine Rolle vermutlich nicht besonders stark von den CEOs anderer E-Commerce Unternehmen. Es ist eher das WIE als das WAS, das meinen Job so besonders macht. Ich bin Teil des Teams, wir kommunizieren auf Augenhöhe, ich sitze mitten im Geschehen. Dadurch habe ich auch zu allen einen kurzen Draht und jeder weiß, dass ich immer ansprechbar bin. Hier arbeiten so viele kluge Köpfe, es wäre schlimm, wenn wir nicht ständig im Austausch miteinander wären. Unsere Zusammenarbeit basiert auf Vertrauen und Selbstverantwortung. Deswegen gibt es auch keine Reportingstrukturen oder Hierarchien im klassischen Sinne. Schließlich arbeiten wir alle zusammen am gleichen Ziel: Unseren Kunden zu jeder Zeit die besten Produkte und den besten Service zu bieten.

"Es ist eher das WIE als das WAS, das meinen Job so besonders macht."

Wie kam es überhaupt dazu, dass die kartenmacherei so “new” an ihre eigene Unternehmensführung herangegangen ist? Ihr hättet es ja auch einfach so machen können, wie alle anderen früher, oder?

Die kartenmacherei war nicht von Anfang an ein New Work Pionier, sondern zu Beginn ganz traditionell organisiert. Allerdings hatten die Gründer von Anfang an den Anspruch, die Dinge besser zu machen, den wir heute weiterführen. Den Status Quo zu hinterfragen ist quasi ein Teil unserer DNA. Nicht nur was das Produkt oder den Kundenservice angeht, sondern auch die Art und Weise wie wir arbeiten. Verschiedene Impulse haben zu unterschiedlichen Zeitpunkten dazu geführt, dass wir uns zu einem absoluten New Work Vorreiter entwickelt haben. Die persönliche Situation als Eltern hat Jennifer und Christoph Behn zum Beispiel dazu veranlasst, flexible Arbeitszeitmodelle einzuführen. 

Was macht New Work für Dich als Mutter aus und würdest Du diese Arbeitsweise immer weiterempfehlen?

New Work ist ein sehr weiter Begriff, der viel mehr einschließt als die Flexibilität im Hinblick auf Arbeitszeit und Arbeitsort. Wenn wir aber über die Vereinbarkeit von Beruf und Familienleben sprechen, so ist das natürlich eine sehr große Erleichterung, wenn ich spontan im Home Office bleiben und mir den Tag so organisieren kann, wie es gerade am besten passt. Viele unserer Teammitglieder arbeiten in Teilzeit, auch in sehr anspruchsvollen Positionen, um mehr Zeit für ihre Familien zu haben. Wenn man sich seine Arbeitszeit flexibel einteilen kann, nimmt das sehr viel Organisationsstress aus dem Familienalltag, der andernorts durch starre Strukturen künstlich erzeugt wird. Grundsätzlich sollten wir aber aufhören, die Vereinbarkeit als Mütter-Thema zu betrachten. Väter sollten die gleichen Rechte haben und auch nutzen. 

"Wenn man sich seine Arbeitszeit flexibel einteilen kann, nimmt das sehr viel Organisationsstress aus dem Familienalltag, der andernorts durch starre Strukturen künstlich erzeugt wird."

Die kartenmacherei stellt Karten für jeden Anlass her. Damit wollt ihr ja nicht nur Eure MitarbeiterInnen glücklich machen, sondern vor allem Eure Kunden, die am besten viel und häufig bei Euch einkaufen sollen. Glaubst Du eine moderne Arbeitskultur wirkt sich am Ende auch auf das Produkt und die Zufriedenheit der Kunden aus?

Mit unseren Produkten begleiten wir unsere Kunden in den emotionalsten Momenten ihres Lebens. Das ist eine wunderschöne aber auch sehr verantwortungsvolle Aufgabe. Dass unsere Kunden so zufrieden mit uns sind, liegt daran, dass jeder einzelne im Team zu jeder Zeit sein Bestes gibt. Wenn mal etwas schief läuft, setzen wir alle Hebel in Bewegung, um unseren Fehler zu korrigieren. Dieses Herzblut, das das ganze Team täglich für die Kunden gibt, ist es, was die kartenmacherei so erfolgreich macht. Eine so hohe intrinsische Motivation und dieser wahnsinnige Team Spirit kann nur in einer Unternehmenskultur entstehen, in der sich die Mitarbeiter ernst genommen und wertgeschätzt fühlt.

Am 18.02.2020 diskutiert Jennifer Yohannes auf dem Podium unseres Events “Brave New Work: Von verheiratet mit dem Job zur Family-Work-Life-Balance” mit Vetreterinnen von Otto, Ernst & Young sowie New Work Expertinnen und Eltern dazu, was New Work für Wirtschaft und Working Moms bringt. 

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