Das großartige an unserer Sprache ist ihre Vielfalt. Ein Baum ist ein Baum, klare Sache, denkst Du. Es gibt aber natürlich nicht DEN Baum, sondern Laubbäume, Nadelbäume, Mammutbäume, Bonsai-Bäume, Kakteen, und viele mehr. Was? Kakteen? Ja, auch ein Kaktus kann ein Baum sein. Aber auch abseits der Botanik verfallen wir immer wieder dem Irrtum, dass ein Wort nur für ein Ding steht. Spulen wir kurz vor im Alphabet bis V, wie Vereinbarkeit.  

Vereinbarkeit von Elternsein und Arbeit – Das kann doch nicht alles sein

Vereinbarkeit ist ein Thema für Mütter, klare Sache, denkst Du. Denn Frauen sind in unserer Gesellschaft häufig noch die Hauptverantwortlichen für das Wohl, das Mittagessen und das Unterhaltungsprogramm des Nachwuchses. Papas werden zunehmend häufiger in der Presse dafür gefeiert, dass sie anfangen einen Teil von etwas zu übernehmen, was Frauen über Dekaden als selbstverständlich angesehen haben. Das ist für die Frau ein bisschen so, wie wenn die Bildzeitung titeln würde: „Kaktus hat Stacheln!“ Aber immerhin sorgen derartige „News“ dafür, dass Vereinbarkeit auch ein Väterthema wird. Gut für die Sache, gut für die Welt, zumindest ein bisschen.

Wie vereinbart man eigentlich Liebeskummer?

Zusätzlich zur Vereinbarkeit, die Mütter und Väter einfordern, gibt es aber das Spektrum von Problemen, Kränkeleien und Zusammenbrüchen mit denen wir uns alle irgendwann befassen müssen. Schauen wir uns mal ein Unternehmen an; in Nahaufnahme: Wegen eines krankes Kindes fällt eine Mitarbeiterin oder ein Mitarbeiter spontan aus. Ein weiterer verpfuscht wegen heftigem Liebeskummer ein wichtiges Projekt. Die Sorge um die kranke Oma/Tante/Mutter/Schwester lässt eine oder einen anderen vor versammeltem Team emotional zusammenbrechen. Nach dem Tod einer Nahestehenden Person fällt eine Mitarbeiterin für eine Weile aus. Eine andere Mitarbeiterin muss sich mit einer Erfahrung auseinandersetzen, die Dir sofort Tränen in die Augen treiben würde. Die Lock-Down-Isolation weckt bei einem weiteren Angestellten die schlimmsten Ängste und raubt ihm jegliche Konzentration. Der nächste ist völlig übermüdet, weil er feststellt, dass sein Haustier nachtaktiv ist. … Kommt an, oder?

Eltern haben es besonders schwer und sind besonders glücklich

Es wird immer so getan, als wäre das Leben mit Kindern so unfassbar anstrengend. Menschen mit Kindern sind eigentlich für nichts mehr gut. Mehrfach-Mütter haben nicht nur weniger Zeit, sondern der letzten Bertelsmannstudie zu Folge auch noch viel zu wenig Geld. Demgegenüber stehen immer wieder Studien dazu, dass Eltern produktiver seien und ihr Leben als erfüllter ansehen. Eine aktuelle Studie fand sogar heraus, dass Eltern während der Pandemie glücklicher mit ihrem Job waren, als kinderlose Angestellte.

Vereinbarkeit nützt jedem und jeder

Im Einzelfall mag das wieder anders aussehen. Und DAS ist der springende Punkt: Der Einzelfall. MitarbeiterInnen sind Menschen. Eltern sind Menschen, Töchter und Söhne sind Menschen. Hunde- und Katzenhalter sind Menschen. Und alle Menschen müssen Dinge im Leben durchmachen, die es ihnen so richtig schwer machen einfach brave produktive Bienen zu sein.

Die Vereinbarkeit, die immer als Zusammenbringen von Familien- und Berufsleben besprochen wird, könnte auch da helfen, wo Strategien und Lösungen mehr Verständnis für Menschlichkeit ins wirtschaftlichen Vorankommen bringen müssen. Das wäre dann eine Vereinbarkeit von Mensch und Wirtschaft. Das total Gute an der Vereinbarkeit ist nämlich: Sie hat keine Stacheln und hat noch niemandem weh getan!

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