Mit diesem Test hast Du als Mama auf dem Spielplatz auch Spaß

Die Zeit, die ich im Büro in Meetings verbracht habe, hocke ich während meiner Elternzeit auf dem Spielplatz. Die Luft ist hier besser und der mitgebrachte Kaffee auch. Doch manchmal zähle ich dabei genauso die Sekunden bis ich nach Hause kann.

Weil es meinen kleinen Sonnenschein immer zu den Spielsachen der anderen Kinder zieht, vergeht kaum ein Nachmittag ohne neue Bekanntschaften. Doch die Gespräche folgen meist einem festen Muster:

Andere Mama: “Wie alt ist er/sie denn?”

Ich: “Frisch ein Jahr. Und deiner?”

Andere Mama: “14 Monate. Wie heißt er denn?”

Ich: “Henri. Und deiner?” (Wahlweise eigenen Kindernamen einsetzen)

Andere Mama: “Theo.” (Wahlweise anderen Trend-Namen einsetzen)

Kurzes Schweigen.

Ich: “Süße Mütze.” (Wahlweise kann man hier auch Hose, Jacke, Schuhe oder ein beliebiges anderes Kleidungsstück einbauen.)

Andere Mama: “Danke, ja die ist von soundso.”

Erneutes Schweigen.

 

Nach kurzem Smalltalk kommt oft das Schweigen

Die Kinder klopfen derweil mit ihren Schaufeln auf den Sand. Einer der beiden sagt: “Da!” Das andere Kind antwortet oder lässt es. Meistens habe ich schon an diesem Punkt das Gefühl, dass das Gespräch unserer Kinder tiefgründiger ist, als das zwischen uns Müttern.

Ich: “Glücklicherweise sind wir langsam aus der Phase raus, in der er alles nur in den Mund nehmen wollte. Sonst hätte er jetzt schon den halben Sandkasten gegessen.”

Die andere Mutter nickt zustimmend und erwidert dann: “Jaja, die Phase hatten wir auch.”

Im schlimmsten Fall schweigen wir Mütter uns den Rest der Zeit lächelnd an, während ich mir vorstelle, dass unsere Kinder versuchen mit Sand und Eimern die Problematik sauberer Atomenergie zu lösen. Oder sie untersuchen die Populationsentwicklung einer statischen Bakterienkultur, um Indizien für die Heilung von Krebs zu sammeln. Ab und zu brabbeln sie auch vor sich hin. Ich denke, vielleicht diskutieren sie auch den Einfluss regionaler versus sozioökonomischer Faktoren, die für das Erstarkung politisch extremistischer Bewegungen verantwortlich gemacht werden können.  

 

Wenn es gut läuft, wird’s meist trotzdem nicht besser

Aber es gibt auch den Bestfall. Dann sprechen die neue Mama-Bekanntschaft und ich weiter, über Kitas, über Beikost, über laufende Nasen beim Baby, über Morgens-, Mittags- und Nachmittagsschläfchen, Baderituale oder andere Spielplätze. Das ist nett und oft sind hilfreiche Tipps dabei. Aber hinterher kenne ich zwar Theos gesamten Tagesablauf, weiß, was er mag und was nicht. Aber Theos Mama kenne ich nur als Theos Mamas.

 

Der Bechdel-Test aus der Filmwissenschaft könnte helfen

Ein ähnliches Problem kenne ich aus dem Kino. Wer sich erfolgreiche Hollywoodproduktionen genau ansieht, merkt, dass es hier selten mehr als eine präsente weibliche Frauenrolle gibt und dass, sollten mehrere Frauen vorkommen, die vornehmlich über Männer sprechen, statt über saubere Atomenergie, die Heilung von Krebs oder das Problem mit Trump, LePenn und der AfD.

Der Bechdel-Test macht auf diesen Missstand aufmerksam und regt so dazu an, weniger sexistischen Scheiß auf die großen und kleinen Leinwände dieser Welt zu schicken. Dazu besteht der Test auf drei einfachen Fragen. Können alle drei positiv beantwortet werden, besteht der Film den Bechdel-Test:

  • Gibt es mindestens zwei Frauenrollen?
  • Sprechen sie miteinander?
  • Unterhalten sie sich über etwas anderes als einen Mann?

 

Mit dem Baby-Bechdel-Test mehr von den Mamas lernen

Um mehr Spaß auf dem Spielplatz zu haben, habe ich mir daraus den Baby-Bechdel-Test gebaut:

  • Kenne ich den Namen der Person, mit der ich auf dem Spielplatz spreche?
  • Können wir uns unterhalten, ohne, dass unsere Kinder sich miteinander oder gegenseitig verletzen?
  • Unterhalten wir uns über etwas anderes als unsere Kinder?

Das heißt nicht, dass ich mir zwischen Rutsche und Schaukel nicht auch Tipps dazu hole, was ich auf den Menüplan von Klein-Henri setzen kann, oder was seinem wunden Po Linderung verschafft. Aber ich versuche jetzt auch zu erfahren, mit wem ich da spreche und was diese Person noch bewegt und interessiert. Seitdem ich das mache, bleibe ich viel lieber auf dem Spielplatz bis sich mein Baby müde getobt hat.

Juliane
Juliane Schreiber
juliane@mamameeting.de